Chronik des Musikvereins 1908 Irsch e.V.
Vereinsgründung 1908
Während einer Zusammenkunft des Kriegervereines wird in heiterer Runde und zu vorgerückter Stunde das Fehlen von Musik beklagt, "...wenn die alten Krieger mal raus gingen...". Der Vorschlag von Präsident Wagner an seinen Sohn Nikolaus "Nikla, hast du keine Lust mit ein paar Kollegen für Musik anzufangen?" setzt dieser noch am darauffolgenden Tage in die Tat um und spricht seine Freunde darauf hin an. Bereits einige Tage später sind sich 7 junge Männer einig und beschließen die Gründung eines Musikvereines. Es sind dies:
Nikolaus Wagner-Karges
Michael Dawen
Matthias Hauser
Matthias Kohl
Peter Lui
Johann Schuh
Nikolaus Schreiner
Alle sind bereits durch Tod von uns gegangen, zuletzt der Ehrenpräsident Nikolaus Wagner Karges im März 1974.
Nikolaus Wagner hat die Gründungsphase schriftlich festgehalten: (wörtliche Niederschrift des Gründungsprotokolls)
Entstehung und Gründung des Musikvereins im Jahre 1908
Nachstehendes wurde erzählt und niedergeschrieben von Nikolaus Wagner, Gründer des "Musikvereins Irsch". Die Angaben beruhen auf voller Wahrheit.
Urheber des Musikvereins war der im Winter 1907-1908 gegründete Kriegerverein in Irsch. Mein Vater wurde Präsident des Kriegervereines Irsch. Die Vorstandssitzungen fanden in unserem Hause statt. Diesen Vorstandssitzungen wohnte ich meistes bei, denn da wurden die alten Kriegererinnerungen erzählt, die ich so gerne hörte. Eines Abends waren die Krieger wieder versammelt, da wurde hin und her gesprochen und erzählt und dem Viez wurde ebenfalls zugesprochen bis daß sie alle so richtig im Temperament waren. Auf einmal sagte mein Vater zu seinen Kollegen, "so Jungen, jetzt haben wir einen Kriegerverein, jetzt fehlt nur noch die Musik dazu". Mein Vater als langjähriges Mitglied des Saarburger Kriegervereines, erzählt seinen Kollegen, "ja wenn wir in Saarburg mit dem Kriegerverein raus gingen und Musik war dabei, dann sind die Beine wieder geflogen wie bei einem 18jährigen". Auf einmal sah mein Vater mich da sitzen und sagte zu mir, "Nikla, hast Du kein Spass, mit ein paar Kollegen, für Musik anzufangen". Ich habe garnichts gesagt, blos ein bisschen gelacht dazu. Es hatte bis dahin doch keiner an Musik gedacht. Es ging mir aber doch so zu Herzen, daß ich den Gedanken nicht mehr los wurde.
Am anderen Tage hatte ich nichts eiligeres zu tun, um es meinen beiden Freunden Hauser Matthias und Schreiner Niklaus zu erzählen. Da waren die zwei sofort einverstanden. Nun hat sich die Sache von der Musik so rund gesprochen, daß sie von allen Seiten herbei kamen. Zuerst mein Freund Schuh Johann, dann kam Kohl Matthias, auf einmal kam Lui Peter den Mühlenberg runter gelaufen, ausser Atem und sagte, "wollt ihr Musik anfangen, ich mache auch mit". Es wurde mit Freuden angefangen. Nun kam auch unser Kollege Dawen Michel dazu. Jetzt waren wir zusammen 7 Mann. Das waren vorläufig genug.
Wir kamen von jetzt ab jeden Abend zusammen. Unser Sammelplatz war auf der Irscherbrück, unsere Sitzgelegenheit waren Matzen ihr Balkon. Nun wurde hin und her beraten, keiner wußte so richtig wie man das anfangen soll mit Musik. Auf einmal wurden wir uns einig und gingen am nächsten Tag nach Saarburg zum Herrn Schultheis, denn das wußten wir, daß er Musiklehrer war. Herr Schultheis hat uns sehr freundlich empfangen. Er schrieb sofort die Noten auf, mit den Griffen dabei. Es wurde auch die Besetzung festgelegt und die Instrumente schon bestellt. Unsere Freude war unbeschreiblich, daß wir das alles im ersten Tag erreicht hatten. Jetzt gingen wir freudestrahlend und mit gutem Mut nach Hause. Bei uns wurde von jetzt an kein anderes Gespräch geführt, wenn wir zusammen waren, wie von der Musik. Kurz nach Ostern kamen unsere Instrumente an, das war eine Freude, das halbe Dorf kam gelaufen um sie zu sehen. Sofort wurde Herr Schultheis benachrichtigt. Es dauerte keine Stunde da war er schon hier. Jetzt ging das Proben sofort los. Die Noten und Griffe konnten wir, aber noch keine Töne. Das war eine schwere Arbeit für Herr Schultheis. Der Schweis lief ihm herunter bis wir die Tonleiter konnten. Die Proben fanden in unserem Hause statt. Wir probten jeden Tag die Aufgaben die Herr Schultheis uns aufgab. Mittwochs und samstags kam Herr Schultheis zu uns. Wir machten gute Fortschritte das war für uns und für unseren Dirigenten eine große Freude.
Die Sommerkirmes lösten wir schon die Saarburger ab beim Tanzmusik spielen, in der Wirtschaft Hauser. Im Sommer machten wir schon Ausflüge, sogar bis nach Pellingen. Dort wurden wir schon engagiert für die Kirmes Tanzmusik zu spielen. Die Herbstkirmes in Irsch spielten wir schon selbständig. Im Herbst 1908 bekamen wir Zuwachs. Das war mein Bruder Michel, Schu Michel, Wagner Johann Kohl und Kohl Johann.
Jetzt waren wir schon 11 Mann stark.
Im Winter hindurch wurde fleißig geprobt. Im nächsten Jahr konnten wir uns schon hören lassen. Wir hatten die kommende Zeit viel zu tun mit der Musik. Im Jahre 1911 feierte der Irscher Kriegerverein seine Fahnenweihe. Das war ein Fest, da gab es keine Ende mehr. Wir mußten die alten Krieger nach Hause führen mit Musik, aber das ging nicht so leicht. Wenn wir mit Musik abrückten, waren sie wieder hinterher, keiner wollte zuerst nach Hause, so ging das fast 2 Tage lang. Im Winter 1910 nahm Herr Lessel den Dirigentenstab. Herr Schultheis wurde krank, er konnte den weiten Weg zu uns nicht mehr machen. Unter der Führung des Herrn Lessel macht der Verein auch gute Fortschritte. Herr Lessel führte den Dirigentenstab ehrenamtlich, wofür wir ihm noch heute unseren Dank aussprechen. Das ist der Bericht über die Entstehung und Gründung des Musikvereins Irsch 1908.
- Wagner -
Entwicklung der Mitgliederzahlen:
| |
aktive Mitglieder im Gesamtorchester |
inaktive Mitglieder |
| Gründung 1908 |
7 |
|
| 1918 |
18 |
|
| Juli 1928 |
24 |
|
| Jan. 1930 |
18 |
|
| Jan. 1936 |
25 |
|
| 1939 |
36 |
|
| Durch den 2. Weltkrieg verlor der Musikverein 22 aktive Mitglieder |
| Neubeginn Feb. 1950 |
11 (+ 16 Auszub.) |
|
| März 1951 |
24 |
|
| Jan. 1970 |
29 (+ 9 Auszub.) |
|
| Jan. 1974 |
42 |
100 |
| Jan. 1980 |
56 |
147 |
| Jan. 1985 |
62 |
155 |
| Jan. 1990 |
55 (+10 Auszub.) |
180 |
| Jan. 1995 |
60 (+11 Auszub.) |
212 |
| Jan. 2000 |
69 (+14 Auszub.) |
214 |
| 2005 |
65 (+18 Auszubildende) |
213 |
Jugendorchester:
| 1972 (Gründung) |
25 Jungmusiker |
| 1989 |
27 Jungmusiker |
| 1993 |
25 Jungmusiker |
| 1998 |
47 Jungmusiker |
| 1999 |
45 Jungmusiker |
| 2005 |
40 Jungmusiker |
2006 |
30 Jungmusiker |
Die 1. Vorsitzenden:
| 19?? |
1929 |
Matthias Wagner |
| 1929 |
1933 |
Matthias Beiling |
| 1933 |
1934 |
Ernst Beiling |
| 1934 |
1935 |
Nikolaus Wagner |
| 1935 |
1937 |
Hauptlehrer Schanen |
| 1937 |
1939 |
Matthias Wagner |
| 1950 |
1955 |
Peter Kirchen |
| 1955 |
1970 |
Matthias Wagner |
| 1970 |
1972 |
Werner Thiel |
| 1972 |
1978 |
Richard Schmitt |
| 1978 |
1980 |
Hans Pütz |
| 1980 |
1992 |
Günter Britten |
| 1992 |
2006 |
Arnold Mangrich |
2006 |
heute |
Daniel Rommelfanger |
Dirigenten des Gesamtorchesters:
| 1908 |
1910 |
Musiklehrer Schultheise |
| 1910 |
1914 |
Michel Lessel |
| 1914 |
1918 |
Michel Dawen |
| 1918 |
1933 |
Michel Lessel |
| 1933 |
1939 |
Josef Paulus |
| 1950 |
1965 |
Josef Paulus |
| 1965 |
1968 |
Rudolf Paulus |
| 1968 (zeitweise) |
Josef Paulus |
| 1968 |
1996 |
Hans Becker |
| 1996 |
2005 |
Gilbert Schellen |
| 2005 |
heute |
Sascha Kohns |
Ehrenmitglieder:
| seit 1995 |
Richard Schmitt, Manfred Roth |
| seit 1999 |
Alfons Fisch, Hanz Pütz, Horst Neises |
| seit 2004 |
Albert Wallrich |